Verhaltenstherapie als Kombiantionsbehandlung aus Gruppen- und Einzeltherapie
In der Verhaltenstherapie richten wir uns vornehmlich auf die Dinge, die Sie im Hier und Jetzt bewegen. Zu Beginn der Psychotherapie versuchen wir gemeinsam zu verstehen, wie es zu der aktuellen Krise gekommen ist. Was waren die Auslöser? Welchen Anteil spielen eigene Fertigkeiten, oder alte Verletzungen?
Wenn wir umfangreich verstanden haben, wie die Krise entstanden ist, können wir auch die Therapieziele definieren. Was lässt sich auf lerngeschichtliche Erfahrungen in der Vergangenheit zurückführen? Wovon gab es zu viel oder zu wenig?
Häufige Ziele sind:
- Förderung der Gefühlswahrnehmung und -differenzierung (Gefühle im Körper verorten und benennen)
- Förderung der Emotionsregulation (sich beruhigen lernen)
- Förderung der sozialen Kompetenzen (z.B. Konfliktfertigkeiten, Bedürfnisse ansprechen, Grenzen setzen)
- Förderung der Selbstfürsorgen insgesamt (wahrnehmen, was man im Moment brauchen könnte, damit es einem gut geht)
- Betrauern von Verlusten oder Dingen, die nie stattgefunden haben bzw. zu wenig waren
- Verarbeitung von traumatischen Erfahrungen
- Aktivierung der Ressourcen (Dinge, die Kraft geben wieder finden, z.B. Sport, Bewegung an der Natur, Kreativität, Kochen)
In der Verhaltenstherapie arbeiten wir am Erlernen von Fertigkeiten, aber auch zu sehr großen Teilen an inneren Sichtweisen. Es gibt Gedanken, die uns das Leben schwer machen. Häufig sind es selbstabwertende Gedanken, überhöhte Schuldgefühle, Sorgen die in die Zukunft gerichtet sind. Diese Gedanken werden in der Verhaltenstherapie hinterfragt. Wenn man zu dem Schluss gekommen ist, dass diese Gedanken nicht zu 100% die Wahrheit sind, kann man sich davon leichter distanzieren und somit verlieren sie ihre Kraft. Für das Gewinnen dieser Distanz ist es manchmal günstig Übungen aus der Meditiation zu etablieren, die das ständige stoppen und wahrnehmen der Gedanken trainieren. Denn wenn wir beginnen wahrzunehmen, was unser Kopf denkt, erst dann können wir auch Einfluss nehmen.
Ablauf einer Kombinationsbehandlung
Zu Beginn einer Behandlung in meiner Praxis stehen das persönliche Kennenlernen und eine umfangreiche Diagnostik und Anamnese. Hierzu stehen jedem Patienten drei Sprechstundentermine und maximal vier probatorische Sitzungen zu.
Nachdem wir uns über die Entstehung der Erkrankung und gemeinsame Ziele einig geworden sind, beantragen wir eine Therapie. Für gewöhnlich kann dann direkt mit der Behandlung begonnen werden.
Zuerst denkt man bei der Suche nach einem Therapeuten vielleicht an eine Einzelbehandlung. Da eine Behandlung sowohl im Einzelgespräch, als auch in der Gruppentherapie viele Vorteile hat, biete ich nur noch dieses Setting an, in dem von beidem das Beste kombiniert wird.
Gruppensitzungen sind in der Regel alle zwei Wochen. Bei Bedarf können in der anderen Woche Gespräche im Einzelsetting stattfinden. Absolute Voraussetzung für die Aufnahme in meiner Praxis ist die Fähigkeit die Schweigepflicht einhalten zu können. Überlegen Sie, ob Sie es schaffen werden zu verschweigen, wer Mitglied in Ihrer Behandlungsgruppe ist. Die Teilnehmer sollen sich nicht aus dem Alltag kennen. Dafür sorge ich so gut es geht im Vorfeld, indem ich Patienten aus einem weiteren Umkreis behandle.
Zuerst werden die weiteren Teilnehmer kennengelertn. Schnell erkennen die Patienten, dass sie auch von den Erfahrungen und Schwierigkeiten der anderen profitieren können. In der Gruppe kann sich jeder verhalten, wie er sich wohl fühlt: eher zurückhaltend oder aktiver. Die meisten beginnen in einer zurückhaltenderen Rolle, bis ein ausreichendes Vertrauen entstanden ist.
Vorteile einer Gruppentherapie
- Ein positives Erleben in der Gemeinschaft (z.B. sich verstanden zu fühlen, nicht alleine mit dem Problem zu sein, zu sehen, dass es anderen ebenfalls so geht)
- Das Profitieren von den Entwicklungen der anderen Teilnehmer
- Eine großzügigere Bewilligung der Kosten durch die Kassen
- Ein schnellerer Beginn der Therapie durch eine größere Anzahl von Therapieplätzen
Nachteile einer Gruppentherapie
- Vor Beginn kostet es mehr Mut, als zu Beginn einer Einzelbehandlung.
- Es ist manchmal anstrengender als eine Einzeltherapie.
- Die Termine sind festgelegt und müssen verbindlich 14-tägig eingehalten werden. (In den Schulferien finden keine Gruppen statt.)
- Es ist ein reicherer Erfahrungsschatz durch die Anzahl der Teilnehmer
Für eine Therapie sollten Sie ungefähr ein halbes Jahr oder Jahr einplanen. Letztlich entscheiden Sie aber jederzeit, wie lange die Therapie gehen soll. Das hängt von Ihren Lebensumständen und ihren Therapiefortschritten ab. Rechnen Sie jedoch damit, dass es Geduld braucht, um die Veränderungen wahrzunehmen und sich verfestigen zu lassen. Bedenken Sie bitte auch, dass es für die anderen Teilnehmer belastend ist, wenn jemand nur sehr kurz teilnimmt.
Kostenträger
Ich arbeite in der vertragsärtzlichen Versorgung. Das bedeutet, dass gesetzlich Versicherte, bei mir über ihre Versichertenkarte abgerechnet werden können.
Privatversicherte können ebenfalls abgerechnet werden, müssen jedoch genau so lange auf einen Therapieplatz warten, wie gesetzlich Versicherte.